PRESSESPIEGEL
Einen einzigen Verein zur Vermittlung der Kunst gibt es in Salzburg - und dieser droht nun ausgehungert zu werden. "ARTgenossen" - ein Zusammenschluss von sechs fachlich meist hervorragend ausgebildeten Frauen - erläutert die Kunstwerke aktueller Ausstellungen nicht nur theoretisch. Der Verein versucht, mit praktischen Übungen im Atelier und durch Diskussionen über die persönlichen Hintergründe der Künstler die Kunstwerke "mit allen Sinnen" erfahrbar zu machen und alle geistigen und emotionalen Hintergrundinformationen zu liefern.
"Im vergangenen Jahr waren es rund 1.600 Schüler oder Interessierte, die erst durch eines der drei ARTgenossen-Projekte die Ausstellungen des Salzburger Kunstvereins besuchten und so der Kunst entscheidend näher kamen", sagte die Kunsthistorikerin Antonia Gobiet von ARTgenossen.
"Sind am Limit"
Kunstverein-Leiterin Hildegund Amanshauser bestätigte auf Anfrage der APA, dass die von ARTgenossen lukrierten Ausstellungsbesucher rund ein Drittel des gesamten Publikums ausmachten.
"Vor allem die Betreuung junger Menschen ist enorm wichtig. Kunstvermittlung, die aktuelle Ausstellungen und Reihen begleitet, ist für das Kunstverständnis der kommenden Generation von entscheidender Bedeutung", so Amanshauser. "Dennoch werden wir uns ARTgenossen vermutlich im kommenden Jahr nicht mehr leisten können", so die Kunstverein-Chefin, "wir sind selbst am Limit".
Keine Subventionen
"ARTgenossen" wird nicht subventioniert und ist daher auf Auftraggeber wie den Kunstverein oder Sponsoren angewiesen. "Die sechs Vereinsmitglieder verwenden ihre privaten Telefone und Computer und können sich diese Ehrenamtlichkeit vermutlich nicht mehr lange leisten", so Gobiet. "Ein Projekt für eine Ausstellung kostet rund 3.000 Euro, dafür bringen wir bis zu 20 hervorragend vorbereitete Gruppen in die Ausstellungen. Insgesamt bräuchten wir pro Jahr wenigstens 30.000 Euro, um für die Kunst das zu leisten, was in anderen Städten längst Standard ist. Einem Museum am Mönchsberg ohne begleitende Kunstvermittlung wird früher oder später das interessierte Publikum ausbleiben", argumentierte Gobiet.
Die Politik scheint aber von der Notwendigkeit professioneller Kunstvermittlung noch nicht überzeugt zu sein. Denn im geplanten Mönchsbergmuseum ist nicht einmal ein Atelier für die Kunstvermittler vorgesehen.
