PRESSEAUSSENDUNGEN
Mit dem heutigen Rücktritt von Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Othmar Raus endet auch eine lange Ära, die eng mit der Kulturpolitik des Landes Salzburg verknüpft ist – und die Dr. Raus über lange Jahre entscheidend mitgeprägt hat.
Der Sozialdemokrat Othmar Raus hat den Aufstieg der freien Salzburger Kulturszene seit Anfang der 1990er Jahre politisch wohlwollend begleitet und die Kulturaktivisten der diversen Vereine durch Förderungen aus Landesmitteln zur verstärkten Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Kulturschaffen ermutigt. Dass dies nicht immer konfliktfrei und mitunter für die Kulturszene nicht immer bedarfsgerecht passierte, liegt auf der Hand.
Das Ergebnis der Arbeit von Othmar Raus ist nach Einschätzung der Interessenvertretung der Salzburger Kultureinrichtungen aber durchaus zufrieden stellend. Neben einer Vielzahl an freien Gruppen konnten sich auch in mehreren Salzburger «Gauen» Kulturhäuser mit Ganzjahresbetrieb etablieren. Ein Erfolgsmodell, das zwar keineswegs abgeschlossen ist, aber die richtigen Wegmarken setzte.
Über lange Zeit – hier vor allem zu Zeiten, als Mitte der 1990er-Jahre die Stadt Salzburg mit Bürgermeister Dr. Josef Dechant einen rigorosen Sparkurs auf Kosten der zeitgenössischen Kulturszene fuhr, war es Kulturlandesrat Dr. Othmar Raus, der durch förderpolitische Verlässlichkeit und Handschlagqualität aus der Reihe Salzburger KulturpolitikerInnen hervorstach. Große Verdienste hat sich LR Dr. Othmar Raus zudem bei der Verteidigung der Freiheit der Kunst erworben. Zögerten andere Politiker/innen auf Grund der Boulevard-Berichterstattung zumeist, so war er es, der in diversen Fällen die gesetzlich verankerte Freiheit der Kunst souverän zu verteidigen wusste.
Die inhaltlichen Auseinandersetzungen mit dem Dachverband Salzburger Kulturstätten mehrten sich, als die SPÖ stärkste Partei des Landes Salzburg wurde und Dr. Othmar Raus neben den Kulturagenden die zentrale Funktion des Landesfinanzreferenten übernahm.
«Schwächen in der Verlängerung» – um bei einem Ausdruck aus dem Sport zu bleiben, für welchen Dr. Othmar Raus auch zuständig war – ist die Einschätzung der Interessenvertretung. Gerade nach dem Regierungswechsel wurden viele Hoffnungen auf eine bedarforientierte Förderung bei vielen zeitgenössischen Kulturaktivisten des Landes bislang enttäuscht, auch der Kultur-Budgetentwurf 2008 bleibt unter den Erwartungen. Diese Kritik hat bislang noch zu keinem wesentlichen Umdenken geführt. Die Kritiker – so auch der Dachverband Salzburger Kulturstätten - wurden finanziell an der kürzesten aller möglichen Leinen gehalten.
Die Chancen für den/die Nachfolger/in liegen nach Ansicht der Interessenvertretung in einer Focussierung auf die freie Kulturszene. Der Dachverband Salzburger Kulturstätten freut sich auf produktive Auseinandersetzungen einem/einer kompetenten Nachfolger/in – und fordert die Umsetzung seiner vier wichtigsten Forderungen:
- Anhebung des Anteils «KünstlerInnen, Kulturschaffende, KulturvermittlerInnen» am Kulturbudget des Landes Salzburg bis 2008 um 10% (Voranschlag 2007: Euro 3,8 Mio) und automatische Inflationsrate-Abgeltung bzw. bedarfsgerechte Förderung.
- Ein Kulturhaus mit Schwerpunkt zeitgenössische Kulturproduktion und -distribution in jedem Salzburger Landesteil – inkl. eines/r bezahlten Kulturarbeiters/in in Vollbeschäftigung.
- Ausbau der derzeit bestehenden «Zielvereinbarungen» zu mittelfristigen Förderverträgen (3 Jahre Laufzeit mit Valorisierung).
- Von der Erhöhung des Kulturbudgets ist ein Anteil von mindestens 100.000 Euro zur Realisierung von Projekten in der freien zeitgenössischen Kulturproduktion zur Verfügung zu stellen.
