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PRESSEAUSSENDUNGEN

28.06.2007
KILLT DAS LAND SALZBURG DIE KULTUR IM LUNGAU?
Dachverband Salzburger Kulturstätten lädt Verantwortliche zu Gipfelgespräch
Wegen des drohenden AUS der LungauKultur lädt der Dachverband Salzburger Kulturstätten die Verantwortlichen aus Politik ? allen voran Landeshauptfrau Gabi Burgstaller sowie Landeshauptmann-Stv. und Kulturlandesrat Othmar Raus ?, aus der Beamtenschaft und Vertreter der Lungauer Kulturszene zu einem Gipfelgespräch nächste Woche ein, um eine Lösung in letzter Minute herbeizuführen.

Ausgerechnet in jenem Jahr 2007, in dem der Dachverband Salzburger Kulturstätten als Vertreter von 67 autonomen Kulturstätten in Stadt und Land den Schwerpunkt auf die benachteiligte Kulturregion Lungau legt, weigert sich das Land Salzburg die Arbeit des Vereins LungauKultur entsprechend zu fördern. Vor sieben Jahren gegründet ist die LungauKultur nicht nur Plattform für die Lungauer Kulturvereinigung, das Theater Mokrit, Jeunesse und für 12 weitere kleinere Kulturinitiativen, die jährlich rund 120 Veranstaltungen planen und organisieren, sondern d e r kulturelle Motor für die gesamte Region.

«Wir werden nicht hinnehmen, dass durch Unvermögen der Kulturpolitik des Landes wegen ein paar tausend Euro die Kulturarbeit von Jahren auf Kosten der Lebensqualität der Bevölkerung zunichte gemacht wird», so Dachverbandsvorsitzender Tomas Friedmann. Diese Kulturpolitik des Landes widerspreche klar allen Wahlversprechen der SPÖ, nachzulesen im SPÖ-Programm «Starke Pläne für Salzburg! 192 Impulse für Salzburgs Zukunft». Darin wird nicht nur die Sicherung von Lebensqualität und Arbeitsplätzen im ländlichen Raum und Schaffung von bedarfsgerechten Bildungsangeboten in den (benachteiligten) Regionen versprochen, sondern ein Bekenntnis für die Kulturarbeit im ganzen Land abgelegt: Auch in Zeiten knapper öffentlicher Mittel müssen Impulse und Initialzündungen für innovative Projekte und junge Kultur gesetzt werden ... Im Kulturbudget erfolgte schrittweise eine Umverteilung zugunsten der freien Kulturförderung. Auch das Stadt-Land-Gefälle bei der Subventionsvergabe konnte zugunsten der Kulturinitiativen am Land verbessert werden. Diese Linie ist beizubehalten und zu verstärken. Kunst und Kultur müssen vor Ort passieren und können sich nicht nur auf die großen Zentren begrenzen. (Seite 117)

Wirklich überrascht dürfte ja eigentlich niemand sein über das gestern verkündete AUS der LungauKultur, zu lange waren die Mängel bekannt, die Verantwortliche und der Vorstand des Dachverbands auch der Landespolitik in einigen Gesprächen klar gemacht hatten. Überrascht sein kann man aber über die unvermeidliche Konsequenz von Geschäftsführung und Vereinsvorstand der LungauKultur: nichts geht mehr, die Risiken zur Weiterführung des Betriebes sind zu hoch, die handelnden Personen ob der fehlenden Rückendeckung von Land Salzburg und den Lungauer Gemeinden zu Recht mehr als enttäuscht. Die LungauKultur hat ein Konzept zur Weiterführung des Betriebes vorgelegt, das ein Mindestmaß an Strukturabsicherung vorsieht: nach jahrelanger erfolgreicher aber überwiegend ehrenamtlicher Tätigkeit eine fix angestellte Person, den Ausbau mehrerer lokaler Kulturzentren, eine moderne Büroinfrastruktur sowie die Finanzierung von Eigenproduktionen. Wohl zu viel verlangt ? in einem Bundesland, dessen Fördervolumen für zeitgenössische freie Kulturarbeit seit drei Jahren systematisch gekürzt wird.

In der Salzburger Kulturpolitik wird die kontinuierliche und bedarfsgerechte Förderung von Jahresprogrammen zeitgenössischer Kulturvermittler immer mehr zu einem Problem, Künstler und freie Kulturinitiativen ausgehungert ? darauf verweist die Interessenvertretung seit Jahren. Die Schwerpunkte werden in der aktuellen Kulturpolitik anders gelegt.
LungauKultur hat eben nicht den Stellenwert der Berliner Philharmoniker, für die eine Akut-Förderung in Höhe von Euro 300.000 Euro trotz angeblicher Budgetknappheit im Jahr 2006 kein Problem war. Oder aktuell der Umbau des Festspielhauses mit einem Gesamtvolumen von 7,2 Millionen Euro ? den Landesanteil von 1,8 Millionen Euro aufzubringen, war auch kein Problem für die Landespolitik. Ganz zu schweigen von zig Millionen Euro für die Bewerbung diverser ungewisser Events wie Olympia.

Dass zudem die 15 Lungauer Gemeinden offensichtlich nicht bereit sind ihren Anteil zur Förderung zeitgenössischer Kulturarbeit aufzubringen, wird ihnen wohl erst in den kommenden Jahren auffallen: 120 Veranstaltungen und 12.000 BesucherInnen und eine Vernetzungsstelle weniger.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Kulturförderung ist in Österreich Ländersache: Der Dachverband Salzburger Kulturstätten fordert Landeshauptmann Stellvertreter Dr. Othmar Raus auf, unverzüglich zu handeln und sich für den Weiterbestand der Kultur im Lungau offensiv öffentlich einzusetzen, ein klares Bekenntnis laut SPÖ-Parteiprogramm abzulegen und den Fortbestand strukturell abzusichern.

... es hat keinen Sinn zu warten bis es besser wird, das bißchen besser ...