PRESSEAUSSENDUNGEN
Ein "Kulturland" will das Bundesland Salzburg sein, zur Diskussion stehen aktuell zumindest zwei Grossprojekte: Das "Museum am Berg" wie auch das "Projekt Guggenheim". Beide Projekte nehmen direkten Bezug auf "zeitgenössische Kunst". Wie aber sieht es nach den Kürzungen der schwarz-blauen Bundesregierung (im laufenden Jahr minus 15% bei Kulturstätten) für die "kulturelle Basis" ? also die heimischen KünstlerInnen, Kulturproduzenten und Kulturstätten aus?
Standortfaktor "Kultur" versus die Realität des Salzburger Landesbudgets:
1. Die Zäsur
Das Salzburger Kulturbudget verteilt sich auf insgesamt vier zuständige Politiker. Neben Kulturlandesrat Othmar Raus (SPÖ) sind die ÖVP Politiker LH Franz Schausberger (Festspiele, Heimatpflege...) Landesrat Wolfgang Eisl (einige Museen) und Josef Eisl (Blas- und Volksmusik) für die diversen Kulturausgaben zuständig. Erstmals seit 1986 hat der für die Kultur zuständige Landesrat Raus weniger Kulturbudget zu verwalten (öS 220,7 Millionen) als seine Regierungskollegen von der ÖVP (zusammen 235,74 Mio). Dies heißt eine Verlagerung von der Kulturausgaben von der zeitgenössischen Kultur hin zur Traditionskultur.
2. Salzburg kürzt im Bundesländervergleich am radikalsten bei der zeitgenössischen Kultur
Die Vorgabe durch die schwarz-blaue Bundesregierung haben die Bundesländer alle umgesetzt. Einzig das Bundesland Salzburg hat radikal bei den Förderungen zeitgenössischer Kultur gekürzt: Minus 30% !!; von rund öS 71 Millionen auf rund öS 50 Millionen freier Förderung. Andere Bundesländer haben es geschafft, diesen sensiblen Bereich von den Kürzungen auszunehmen, Oberösterreich erhöht die freie Kulturförderung.
3. Gleiche Verteilung der Kürzungen? Eine Farce!
Von einer ausgeglichenen Verteilung der Kürzungen war am Beginn der Budgetverhandlungen die Rede. Der Budgetvoranschlag hingegen weist andere Realitäten auf: eine leichte Steigerung des Postens "Brauchtum", Erhöhungen bei den Posten "Musikschulwerk", "Burgen und Schlösser", "Freilichtmuseum" etc., andere Posten wie der Salzburger Jazzherbst wurden keineswegs gekürzt, an Großprojekten wie dem "Museum am Berg" wird stur festgehalten.
Die größten Kürzungen Einsparungen wurden im Bereich der "freien zeitgenössischen Kulturförderung" vorgenommen:
o Freie Filmförderung minus 54,0 %
o Sonst. Kulturpflege (Kulturstätten...) minus 37,6 %
o Schrifttum und Sprache minus 17,5 %
Stark gekürzt werden auch die Ankäufe des Landes Salzburg, Preise und Stipendien (minus 83,5%), sowie die Beiträge an KünstlerInnen.
4. Größenordnungen & Perspektiven
Von einem Gesamthaushalt von öS 22,1 Milliarden ist dem Kulturland Salzburg die Förderung der zeitgenössischen Kultur gerade einmal ein Anteil von 2,2 Promille wert. Das Kulturbudget des Landes Salzburg erreicht somit den Tiefststand seit dem Beobachtungszeitraum (1986). Die Streichung rund eines Drittels der Förderung zeitgenössischer Kultur im Kulturland Salzburg ist selbst bei günstiger Prognose erst wieder 2010 aufzuholen. Offen bleibt zudem die Frage, ob bei einer anhaltenden Entwicklung 2002 ? die Beibehaltung des schwarz blauen Streichkurses vorausgesetzt ? das Kulturbudget überhaupt noch Förderungen für zeitgenössische Kunst und Kultur ausweisen wird.
5. Forderungen
Angesichts des "Katastrophenbudgets" für die freie Salzburger Kulturszene fordert der Dachverband:
1. Sparen gerecht: Wenn schon Kürzungen im Ermessensbereich, dann eine gerechte Verteilung der Kürzungslast auf alle Landeseinrichtungen.
2. Strukturmassnahmen bei den "Pflichtausgaben", hier auch im Kulturbereich.
3. Umsetzung von alternativen Finanzierungskonzepten zur verstärkten Förderung zeitgenössischer Kultur.
